Eine berechtigte Frage

Doch Herr Z fühlt sich nicht angesprochen.
Herr Z sitzt auf dem Bürgersteig, lehnt mit dem Rücken an der Hauswand und hat sein Gesicht den Sonnenstrahlen zugewandt, die, wenn es der Himmel erlaubt, um diese Tageszeit diesen Teil des Bürgersteiges bescheinen. Er hält die Augen geschlossen. Links von ihm ist eine kleine Postzweigstelle, deren Mitarbeiter sich an ihn gewöhnt haben. Rechts ist eine Baulücke, und ein paar Meter nach hinten versetzt ist ein Gebüsch, in welches er seine Notdurft verrichtet, wenn es Not tut. Vor Herrn Z liegt ein Hut auf dem Bürgersteig.
„Ob ich Ihnen wohl eine Frage stellen darf?“
Die Frage nach der Frage ist Teil der Welt, die Herrn Z umgibt und an der er nur selten Teil hat.
Herr Z fühlt sich nicht angesprochen.
Die Sonnenstrahlen brennen lustige Bilder in seine Netzhaut. Als ein vorübergehender Schatten die Bilder vertreibt und er sich schließlich doch angesprochen fühlt, ist der Fragesteller verschwunden. Seltsam, denkt Herr Z und blickt sich suchend um, wahrscheinlich war ich doch nicht gemeint. Er schließt erneut die Augen und wartet auf das Klingeln der Münzen, die den Weg in seinen Hut finden, und als es kalt und dunkel wird, verstaut er die Münzen in seiner Hosentasche, rollt sich im Eingang der kleinen Postzweigstelle in seinem Schlafsack zusammen und denkt an Rennfahrer, Lockenwickler und die Menschen, die solche Dinge herstellen.

Es vergeht die Nacht und ein halber Tag, ohne dass sich Herr Z weitere Gedanken über den Vorfall macht. Ausnahme ist der Augenblick vor dem Busch, in dem sich sein Blick auf den Himmel richtet, in dem ihn eine Sternschnuppe an die Frage an sich und auch an den Fragesteller erinnert. Mit der Notdurft und der Sternschnuppe verschwindet die Erinnerung.

Als der Fragesteller seine Frage am nächsten Tag um dieselbe Tageszeit an demselben Ort wiederholt, fühlt Herr Z sich fast augenblicklich angesprochen. Er öffnet die Augen und wendet sich ihm zu. Das helle Licht der Sonne lässt ihn blinzeln.
„Jetzt?“
„Warum nicht?“
„Eine berechtigte Frage.“
„Möchten Sie ein Stück mit mir Spazieren gehen?“, stellt der Fragesteller seine Frage.
„Jetzt?“
„Warum nicht?“
„Sie betreiben das Kiosk“, stellt Herr Z fest und deutet mit blinzelndem Blick auf das Etablissement, das zehn Meter weiter rechts steht und ihm am Nachmittag die Sonne nimmt, wenn der Himmel es erlaubt.
„Ich habe jemanden, der mich vertritt.“
„Haben Sie Ihre Frage bereits gestellt?“, will Herr Z wissen.
„Es war die nach dem Spaziergang“, erklärt der Kioskbetreiber.
„Jetzt?“
„Warum nicht?“
„Eine berechtigte Frage.“
„Sind Sie Philosoph?“, erkundigt sich der Kioskbetreiber.
„Ich bin obdachlos“, erklärt Herr Z, „und als Ihre Tageszeitung noch neunzig Cent gekostet hat, da haben mir Ihre Kunden so manches Mal die zehn Cent Wechselgeld in den Hut geworfen.“ Herr Z deutet mit seinem blinzelnden Blick auf den Hut, der vor ihm auf dem Bürgersteig liegt. „Und das hat geklingelt, dass es eine wahre Freude war.“
„Das tut mir Leid“, erklärt der Kioskbetreiber, „ein schöner Hut ist das.“
Herr Z nickt. „Aus Filz, aus Kasachstan, dort hat er einem Luden gehört.“
„Das ist aufregend.“
„Und heute ist der Lude obdachlos“, ergänzt Herr Z, „in Regensburg.“
„Filz aus Kasachstan“, sinniert der Kioskbetreiber.
„Filzhut aus Kasachstan“, verbessert ihn Herr Z, „aus Naturfaser.“
„Und der Filz?“
„Der Filz?“
„Seine Herkunft.“
„Naturfaser.“
„Vielleicht eine Klünglokratie“, sinniert der Kioskbetreiber.
„Öha.“
„Eine Form der Regierung“, erklärt der Kioskbetreiber, „in der es recht zünftig hergeht.“ Er hebt einen Zeigefinger. „Und filzig eben.“
„Naturfaser“, insistiert Herr Z.
„Wir wollen uns nicht streiten“, sagt der Kioskbetreiber und bedenkt den Hut mit einem zärtlichen Blick, „jetzt, wo wir uns kennengelernt haben.“
„Man lernt nie aus“, sagt Herr Z.

„Ich habe Riesendauerdauerlutscher, die neunzig Cent kosten“, kommt der Kioskbetreiber nach einer kurzen Denkpause auf das Wechselgeldthema zurück, „aber die werden meist von Kindern gekauft, für die zehn Cent viel Geld ist.“
Herr Z antwortet nicht.
„Entschuldigen Sie bitte“, erkennt der Kioskbetreiber seinen Fehltritt, „zehn Cent sind zehn Cent, und das nicht nur für ein Kind.“
Herr Z schirmt mit der flachen Hand seine Augen ab. „Was sind für Sie zehn Cent?“
„Nicht mehr und nicht weniger, und eher sogar mehr.“
„Da gab es ein Mädchen“, erinnert sich Herr Z, „die hat so manches Mal zwei Riesendauerdauerlutscher gekauft und mir einen in den Hut gelegt.“
„Und die zwanzig Cent?“
„Nun ja.“ Her Z zuckt mit den Achseln. „Viele Eltern sind der Meinung, eine milde Gabe müsste sich essen lassen, und das färbt auf die Kinder ab.“
„War es so eine mit strengem Blick?“
„Sie hat ein wenig geschielt.“ Herr Z hängt sich seinen Rucksack über die Schulter und steht auf. „Ihr Kiosk nimmt uns das Sonnenlicht.“
„Das tut mir leid.“
„Ich habe niemanden, der mich vertritt.“
„Ich werde Sie entschädigen.“
„Ich habe dem schielenden Mädchen nicht sagen mögen, dass ich keine Lutscher mag.“ Herr Z öffnet den Rucksack. Seine Hand taucht darin ein und kommt mit einer Handvoll Riesendauerdauerlutschern wieder zum Vorschein. „Wie viel sind Ihnen die wert?“
„Die werde ich jetzt nicht mehr los.“
„Vielleicht später?“
„Nein.“
„Wieso nicht?“, will Herr Z wissen.
Der Kioskbetreiber antwortet nicht.
„Sie sind nicht mit Verfallsdatum ausgestattet“, erklärt Herr Z und hält seinem Gegenüber ein Exemplar entgegen, „ich wollte sie Ihnen schon seit längerem anbieten.“
Der Kioskbetreiber betrachtet den Riesendauerdauerlutscher, ohne ihn in die Hand zu nehmen. „Die werde ich nicht mehr los“, erklärt er erneut, „die sind von vorletzem Jahr.“ Er deutet auf die Süßigkeit. „Da gab es die Lutscher als Bäume und als Blumen.“
Herr Z sieht jetzt ebenfalls genauer hin. „Ein Ahorn-Riesendauerdauerlutscher“, sagt er, „da kann ein Kind was lernen.“
„Heute sind es Schimpansen und Klapperschlangen“, sagt der Kioskbetreiber, „und sie kosten ein Euro und zehn Cent.“
„Man lernt nie aus“, sagt Herr Z und deutet mit seinem Blick auf ein mächtiges Gebäude auf der anderen Seite der Straße. „Sie ist da drüben in die Schule gegangen, bis Sie zu alt dafür war.“
„Und wo ist sie jetzt?“, will der Kioskbetreiber wissen.
„Da, wo es vom Alter her passt“, sagt Herr Z, „was ist jetzt mit den Riesendauerdauerlutschern?“
„Ich nehme sie“, sagt der Kioskbetreiber, „für den halben Einkaufspreis.“
Sie werden sich einig, und Herr Z überreicht die Lutscher und nimmt dafür das Geld.
„Jetzt können wir gehen“, sagt Herr Z, „auch wenn ich nicht weiß, wohin und warum.“
Der Kioskbetreiber deutet auf den Hut. „Den können wir bei meiner Vertretung lassen.“
Herr Z schiebt seinen Schlafsack, die Isoliermatte und ein paar andere Kleinigkeiten mit dem Fuß an die Hauswand.

Sie gehen zusammen auf den Kiosk zu. Herr Z geht unrund, da seine Beine schlecht durchblutet sind, aber es wird mit jedem Schritt besser. Der Kioskbetreiber kriegt von der Unsicherheit nichts mit, da sie von einer mächtig ausgebeulten Hose verborgen wird, die Herr Z vor langer Zeit in der Mongolei gestohlen hat. Sie warten einen Kunden ab, der eine Zeitung kauft. Herr Z tritt von einem Fuß auf den anderen und massiert sich die Oberschenkelmuskulatur.
„Was machen Sie denn da.“ Es ist keine Frage, sondern eher ein Vorwurf.
Herr Z deutet auf die mächtig ausgebeulte Hose. „Ich rege die schlechte Durchblutung an, damit sie besser wird.“
Der Kioskbetreiber nickt. „Das kommt vom vielen Auf-dem-Boden-Sitzen.“ Der Vorwurf ist aus seiner Stimme verschwunden. Der Kunde steckt die Zeitung in seine Manteltasche. Die Schlagzeile guckt oben raus. Sie erscheint Herrn Z ungewöhnlich, aber belanglos.

„Das ist Herr Nimbu“, stellt der Kioskbetreiber den schwarzen Mann vor, der dem Kunden die Zeitung verkauft hat, „der neue Mann meiner alten Frau.“
„Guten Tag Herr Nimbu“, sagt Herr Z, „mein Name ist Z.“
„Ich war schon da, bevor sie meine Frau wurde“, sagt Herr Nimbu, „und bevor ich gelernt habe, in Deutsch zu reden.“
„Meine Kunden haben sich an ihn gewöhnt“, erklärt der Kioskbetreiber, „selbst die Kinder.“
„Das Mädchen mit dem Winkelblick hat ein ganzes Jahr lang gedacht, es läge an ihren Augen“, erklärt Herr Nimbu und drückt den Zeigefinger auf seine schwarze Wange.
„Schrecklich“, findet Herr Z und beobachtet eine geringfügige Verfärbung der Wange, als Herr Nimbu den Daumen wieder wegnimmt.
„Sie hat sich trotzdem daran gewöhnt“, sagt der Kioskbetreiber.
„Und ihre Frau?“, will Herr Z wissen.
„Zumindest ist sie keine Rassistin“, erklärt der Kioskbetreiber.
„Wie sie mich kennengelernt hat, da wollte sie mein Gebiss sehen“, sagt Herr Nimbu.
„Schrecklich“, findet Herr Z.
„Zu viel Süßes“, sagt Herr Nimbu.
Sie sagen eine Weile nichts. Dann sagt Herr Z: „Die deutsche Sprache hat es in sich.“
„Ich habe mich daran gewöhnt“, sagt Herr Nimbu und wendet sich einem Kunden zu, der auch eine Zeitung will, sich aber nicht entscheiden kann. Der Oberkörper des Kunden ist in drei Rollkragenpullover gekleidet, die sich nur geringfügig voneinander unterscheiden.
„Jetzt steh ich hier wie ein Glas Bier“, sagt der Kunde, „was halten Sie von der da?“ Er deutet auf die Welt.
„Gute Wahl“, sagt Herr Nimbu.
„Und die da?“ Der Kunde deutet auf die Frankfurter.
„Steht dasselbe drin, nur ein bisschen anders.“
Der Kioskbetreiber und Herr Z entfernen sich.
„Was hat denn das mit einem Glas Bier zu tun?“, fragt Herr Z.
„Das kann sich auch nicht entscheiden“, erklärt der Kioskbetreiber und macht eine unbestimmte Geste mit der rechten Hand, die wohl Entscheidungslosigkeit ausdrücken soll.

Sie gehen nebeneinander her. Herr Z hat seinen Hut auf, und seine Beine sind jetzt in Schwung. „Und Sie“, wendet er sich an den Kioskbetreiber und wirft das rechte Bein so weit nach vorn, dass es im Knie zwickt, „sind Sie Rassist?“
„Ich glaube nicht.“ Der Kioskbetreiber deutet auf den Kopf von Herrn Z. „Wir haben Herrn Nimbu den Hut nicht dagelassen, wo sind jetzt die Münzen?“
„Bei den anderen Münzen“, erklärt Herr Z, „im doppelten Boden meiner Hosentasche.“ Er klopft sich auf den rechten Schenkel, an dem die mächtig ausgebeulte Hose eine noch mächtigere Ausbeulung aufweist, die mit jedem Schritt vor und zurück schwingt.
„Das sollten Sie nicht kundtun“, weist ihn der Kioskbetreiber zurecht, „wo Sie Ihr Geld lassen.“
„Ich tue es nur, weil es nicht stimmt“, sagt Herr Z, „das richtige Geld ist woanders.“
„Etwa in der Postzweigstelle?“
Herr Z ignoriert die Frage. „Und was machen wir jetzt?“
„Sind Sie in mafiöse Machenschaften verstrickt, Herr Z?“
„Solche Fragen beantworte ich nur, wenn ich dazu gezwungen werde.“
„Sind Sie schon einmal dazu gezwungen worden?“
„Als ich noch jünger war mehrfach.“
„In Kasachstan?“
„Auch da.“
„Und was haben Sie geantwortet?“
„Hören Sie bitte mit Ihrer Trickserei auf.“
„Entschuldigen Sie bitte. Ich musste das fragen.“

„Was machen wir jetzt?“
Der Kioskbetreiber wiegt seinen Kopf von rechts nach links und wieder zurück.
„Ich habe Ihnen etwas verheimlicht.“
„Hat es mit Herrn Nimbu und seiner Frau zu tun?“
„Ich habe Ihnen verheimlicht, dass ich philosophisch veranlagt bin.“
Herr Z nickt, und es sieht so aus, als hätte er so etwas vermutet, aber das ist nicht der Fall. Er sagt: „Es gibt sicherlich eine Menge Dinge, die Sie mir noch nicht erzählt haben. Aber das heißt doch wohl nicht, dass Sie mir all das verheimlichen.“ Er macht eine kurze Denkpause. „Und überhaupt, vielleicht weiß ich die Dinge ja schon.“
„Die Welt ist ein Geheimniskonglomerat.“ Der Kioskbetreiber sieht sich um und umfasst mit einer Geste die Welt. Er verlangsamt seinen Schritt. „Ein Riesendauergeheimniskonglomerat, wenn Sie so wollen, und wenn man ein Geheimnis lüftet, entstehen zehn neue.“ Er deutet auf einen Modeladen. „Da haben meine alte Frau und ich Dinge zum Anziehen gekauft, Blusen und so.“
Herr Z betrachtet die Auslage. Es ist Spätherbst, und das Geschäft hat bereits auf die Winterkollektion umgestellt. „Teuer“, sagt er schließlich, „aber nicht zu teuer.“
„Der Betreiber kauft seine Zeitungen bei mir“, erklärt der Kioskbetreiber, „und seine Frau die Zeitschriften.“
„So soll es sein“, stellt Herr Z fest, „und kauft Ihre alte Frau auch Lockenwickler in diesem Haus?“ Er deutet auf den Kopf einer Schaufensterpuppe, deren Frisur in Lockenwicklern steckt.
„Nicht, dass ich wüsste“, sagt der Kioskbetreiber, „und wenn, dann tut sie sicher Ihr Mann gut beraten, der Herr Nimbu.“
Sie gehen weiter. „Eine tolle Erfindung, wenn man Locken mag und keine hat“, sagt Herr Z, „mögen Sie Locken?“
„Nicht am Kopf“, erwidert der Kioskbetreiber, „und sonst eigentlich auch nicht.“
„Am Bierglas?“
„Da auch nicht.“

„Ein Glas Bier kann eine Entscheidung zumindest vereinfachen“, nimmt Herr Z das Thema von vorher wieder auf.
„Haben Sie eine Entscheidung zu fällen?“, will der Kioskbetreiber wissen.
„Nein“, entgegnet Herr Z, „aber gegen ein Glas Bier hätte ich nichts einzuwenden.“
„Ich trinke kein Bier“, sagt der Kioskbetreiber.
„Ich auch nicht“, sagt Herr Z, „aber jetzt hätte ich nichts dagegen.“
„Drüben verkaufen sie welches“, sagt der Kioskbetreiber und deutet auf die andere Straßenseite zu einem Jugendlichen hin, der an das Schulgebäude gelehnt dasteht, „an die durstigen Schulkinder.“
Herr Z stellt sich die durstigen Schulkinder im Klassenzimmer vor, wie sie sich gegenseitig zuprosten, während der Lehrer etwas an die Tafel schreibt, was die Schüler lernen sollen.
„Hatte mich schon mehrfach gefragt“, sagt Herr Z, „warum die Kinder da rumstehen.“
„Das ist der Sohn vom Hausmeister“, klärt ihn der Kioskbetreiber auf, „der trinkt selber gerne Bier.“
„An dem guten Bier“, sagt Herr Z, „da ist schon so mancher verreckt.“
„Daran soll es nicht liegen“, entgegnet der Kioskbetreiber.
Herr Z sieht ihn fragend an.
„Man verreckt auch ohne Bier“, erklärt der Kioskbetreiber seine Aussage.
„Sie hören sich nicht an wie einer, der sich nichts aus Bier macht.“
„Es ist die Philosophie, an der mir gelegen ist“, erklärt der Kioskbetreiber, „und die lässt sich von keinem Gerstensaft etwas vorschreiben.“
„Öha“, sagt Herr Z und macht eine unbestimmte Geste dazu, ein Ausdruck der Tatsache, dass er die Aussage nicht einzuordnen weiß, aber gleichzeitig spürt, dass jede Nachfrage unangebracht ist. „Öha.“

„Da vorne kreuzt sich unsere Straße mit einer anderen Straße“, wechselt der Kioskbetreiber das Thema.
„Da kommen sicherlich eine Menge Straßen, mit denen sich…“ Herr Z sieht sich um. „…mit denen sich diese hier kreuzt.“
„Sie kennen den Namen unserer Straße nicht?“
„Nein.“
Der Kioskbetreiber macht ein verblüfftes Gesicht. Er bleibt stehen.
„Sie haben diese Straße seit Jahren nicht verlassen.“
Her Z antwortet nicht.
„Und Sie kennen Ihren Namen nicht.“
„Ich musste noch nicht zu ihr zurück finden.“
„Sie haben nicht einmal die Straßenseite gewechselt.“
„Ich habe gegen diese Seite nichts einzuwenden.“
„Das schielende Mädchen hat jeden Tag die Straßenseite gewechselt.“
„Wer schielt, der nimmt es wohlmöglich nicht so genau“, erwidert Herr Z.
„Sie haben kein einziges Mal Ihren Platz auf dem Bürgersteig gewechselt.“
„Ich mag Bürgersteige nicht besonders und habe lange gebraucht, einen geeigneten Platz zu finden.“
„Es gibt Millionen von Bürgersteigkilometern.“
Herr Z antwortet nicht. Er sieht einem Mann hinterher, der barfuß aus einem Schuhladen tritt.
„Wissen Sie, wer den Bürgersteig erfunden hat?“, will der Kioskbetreiber wissen.
„Das Straßenbauamt?“
Der Mann dreht um und geht in den Schuhladen zurück. Herr Z sieht, dass er sich die Schuhe auf den Rücken gebunden hat.
„Ich weiß es auch nicht“, sagt der Kioskbetreiber.
„Wer immer es war“, erklärt Herr Z, „ich würde gerne alle Bürgersteige dieser Welt zusammenlegen und den Erfinder in der Mitte absetzen.“
Der Kioskbetreiber lacht. „Ich habe gewusst, dass wir seelenverwandt sind.“ Er wird mit einem Mal so übermütig, dass er Herrn Z mehrfach auf dessen Schulter klopft und abermals lacht. „Wir sind philosophisch veranlagt.“
„Öha.“
„Warum heißen Sie Z?“
„Mein Vater ist wohl das Alphabet durchgegangen, und als es bei Z nicht weiterging, da hat er das Z genommen.“
„Und Ihre Mutter?“
„Der war es egal.“
Der Kioskbetreiber nickt verständnisvoll. „Kommen Sie.“ Er legt Herrn Z seinen Arm um die Schulter.
„Haben Sie schon mitbekommen, dass man auf dem Jupiter Kakerlaken entdeckt hat?“
„Ungewöhnlich, aber belanglos“, findet Herr Z.
Der Kioskbesitzer deutet auf die andere Straßenseite. „Lassen Sie uns da drüben ein Bier trinken.“
„Jetzt?“
„Warum nicht jetzt?“
„Eine berechtigte Frage.“